Motivation

Das Problem.

Viele Autorinnen schreiben mit Hilfe von Sprachmodellen. Sie nutzen die Maschine zur Recherche, zur Glättung, zum Brainstorming, manchmal für eine Passage. Die meisten verschweigen es. Eine offene Auskunft kann einen Vertrag kosten, einen Preis, einen Ruf.

Also weiß niemand, wie viel sprachmodell-gestütztes Schreiben längst in den Regalen steht. Die Zahl ist dunkel, und an die Stelle der fehlenden Auskunft tritt der Verdacht. Leserinnen werden zu Ermittlerinnen, Autorinnen zu Verdächtigen. Erkennungs-Software verspricht, die Frage zu klären, und tut es nicht — sie trifft die Falschen, besonders Stimmen, die nicht in der Mitte der Kurve sitzen.

Unter diesen Bedingungen gewinnt das Lügen. Die ehrliche Autorin wird bestraft. Die vorsichtige Lügnerin kommt durch. Die Lesenden können keinem Signal mehr trauen.

Die Lösung.

Maschinenschrift verschiebt die Auskunft zur Autorin. Sie sagt selbst, in eigener Hand, wo die Maschine geholfen hat und wie viel.

Ein Standard, kein Urteil. Kein Reinheits-Stempel. Keine Qualitäts-Aussage. Kein Mensch-allein-Abzeichen. Freiwillig. Keine Anmeldung. Ein Buch ohne Siegel wird nicht beschuldigt; ein Buch mit Siegel nicht für gut erklärt.

Die Frage ändert ihre Form. Nicht hat sie ein Sprachmodell benutzt? — sondern was sagt das Werk selbst darüber, wie es entstanden ist?

Das Siegel.

Drei Achsen. Die Autorin markiert jede einzeln.

  • Wortlaut — wie viel der Oberfläche (Sätze, Wortwahl, Rhythmus) von der Maschine kam.
  • Geist — wie viel der Substanz (Ideen, Argument, Struktur) von der Maschine kam.
  • Beleg — ob das Werk in der bibliografischen Welt steht: findbar, datierbar, identifizierbar.

Zwei Reihen Punkte, null bis fünf pro Achse, zählen den Anteil der Maschine. Ein Halbstrich darunter heißt: der Beleg steht noch aus. Die Autorin setzt das Siegel selbst und platziert es bei der Verfasserzeile — Cover, Titelseite, Impressum.

Das ist die ganze Notation.

Eigenes Siegel zusammenstellen · In das Verzeichnis eintragen